Der Rettungsdienst

Im folgenden möchte ich möglichst verständlich aber dennoch knapp gefasst den Rettungsdienst vorstellen und gehe dabei auf häufig gestellte Fragen und einige Missverständnisse ein, die häufig zu Unverständnis und Verwirrung führen.

Organisation

Die Organisation und Koordination des Rettungsdienstes übernimmt in jedem Fall die Rettungsleitstelle. Wählt man den Notruf (19222 oder 112), nimmt ein Leitstellendisponent das Gespräch an und man kann ihm die Notfallsituation schildern.
Schon die Rufnummer führt in vielen Landkreisen zu einiger Verwirrung. Das Problem ist, dass es keine einheitliche Regelung für die Verteilung der Rufnummern gibt. In einigen Kreisen erreicht man die Rettungsleitstelle über die Rufnummer 19222, in anderen lediglich über die 112. In wieder anderen Kreisen ist die 19222 lediglich für den Krankentransport, jedoch nicht für die Notfallrettung vorgesehen (wie das z.B. in Stuttgart und München der Fall ist). Sicher ist jedoch, dass man unter der deutschlandweiten Notrufnummer 112 immer eine zuständige Leitstelle erreicht, die einen im Zweifelsfall zur entsprechenden Rettungsleitstelle weiterverbindet. Über die jeweils lokal gültige Notrufnummer muss sich also jeder selbst informieren, da darüber keine globale Aussage getroffen werden kann. In größeren Stadtgebieten sind die Leitstellen teilweise integriert, sodass man sowohl Feuerwehr als auch Rettungsdienst über die 112 erreichen kann, oftmals auch deshalb, weil in Großstädten die Feuerwehr den Rettungsdienst mitbetreibt.

Die Mitarbeiter auf der Rettungsleitstelle sind erfahrene Mitarbeiter, die die geschilderte Situation telefonisch beurteilen und das richtige Rettungsmittel zur Einsatzstelle entsenden können. Richtig heißt hier, an die Situation angepasst, denn nicht jeder Notfall erfordert die Anwesenheit eines Notarztes und in manchen Fällen genügt auch ein Krankenwagen (s. Fahrzeuge). Diese Abwägung ermöglicht es, die verfügbaren Einsatzkräfte sinnvoll auf die Notfälle zu verteilen und nicht unnötig Ressourcen zu verbrauchen, die für einen dringlicheren Einsatz gebraucht werden würden.

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Personal

Um die in der Notfallrettung eingesetzten, in ihrer Ausstattung unterschiedlichen Fahrzeuge besetzen zu können, gibt es verschiedene Ausbildungsstufen des Personals:

  • Notarzt
  • Rettungsassistent
  • Rettungssanitäter
  • Rettungshelfer
  • Sanitätshelfer / Sanitäter

Der Notarzt (NA) ist ein Arzt mit einer Zusatzausbildung, um auch außerhalb der Klinik mit begrenzten Mitteln akute Intensivmedizin leisten zu können. Es stehen mobile Medizingeräte sowie eine Auswahl an Notfallmedikamenten zur Verfügung, mit denen der Notarzt vor Ort arbeiten kann, um den Patienten für den Transport mit der Ausstattung der Rettungsfahrzeuge stabilisieren zu können.

Der Rettungsassistent (RA) ist in Deutschland die höchste nichtärztliche notfallmedizinische Qualifikation. Im Rahmen einer zweijährigen Ausbildung erlernt ein Rettungsassistent in theoretischen und praktischen Blocks sowohl Grundlagen der Medizin, als auch eine speziell auf Notfallmedizin zugeschnittene Ausbildung u.a. mit den Teilbereichen Anatomie/Physiologie, Innere Medizin, Chirurgie, Pädiatrie, Anästhesie, Neurologie, Traumatologie und Psychologie. Hinzu kommen noch einsatztaktische Ausbildungen sowie rechtliche Grundlagen und Ethik.
Diese sehr umfassende Ausbildung ermächtigt den Rettungsassistenten dazu, als Verantwortlicher für einen Notfallpatienten bei einem Einsatz ohne Notarzt zu fungieren. Durch diese Verantwortung kommen dem RA auch einige Kompetenzen zu, die er im Einsatz geltend machen kann bzw. - sofern die Situation es erfordert - muss. Unterlässt er Maßnahmen, die er nach seiner beruflichen Qualifikation beherrschen muss, macht er sich der fahrlässigen Körperverletzung bzw. Tötung durch Unterlassen strafbar. Dies verdeutlicht, welche Verantwortung der Rettungsassistent vor Ort für den Notfallpatienten trägt.

Der Rettungssanitäter (RS) hat die nächst niedrigere Qualifikation unter dem Rettungsassistenten und durchläuft eine dreimonatige Ausbildung, eine stark verkürzte Version derer des Rettungsassistenten. Sie umfasst die Grundlagen der Notfallmedizin in Theorie und Praxis und beinhaltet zusätzlich je vier Wochen Praktikum in einer Klinik (vorwiegend Anästhesie und Intensivmedizin) und auf einem Rettungswagen.

Der Begriff Rettungshelfer / Rettungsdiensthelfer (RH/RDH) ist in jedem Bundesland etwas anders definiert. Außerdem definiert jede Hilforganisation ihre Helfer etwas anders, wodurch es in den niedrigeren Ausbildungsstufen einige begriffliche Überschneidungen zu unterschiedlichen Ausbildungsstandards gibt. Beim Roten Kreuz gibt es die weiteren Stufen Rettungshelfer (RH) und Sanitäter (San). Der RH durchläuft die selbe Grundausbildung wie der RS, ihm fehlen jedoch die verpflichtenden Praktikumsstunden in der Klinik und 2 Wochen auf dem Rettungswagen. Zusätzliche Praktika sind erwünscht, gelten jedoch als freiwillige Zusatzleistung und sind gesetzlich nicht gefordert.

Sanitäter bzw. Sanitätshelfer (San) ist eine Bezeichnung des Roten Kreuzes, stellt dort die kürzeste Ausbildung dar und umfasst 12 Doppelstunden an Übungen und Weiterbildungen. Die Ausbildung baut auf der Ersten Hilfe auf und erweitert dessen Kenntnisse. Es werden drei Ausbildungsstufen untergliedert: San-A (12 Doppelstunden), San-B (auf San-A aufbauend, weitere 12 Doppelstunden) sowie San-C (ebenso aufbauend, 12 Doppelstunden). Es werden Vertiefungen der bereits erlangten Fähigkeiten und theoretische Einführung in die Anatomie und Physiologie durchgeführt. Gedacht ist diese Form der Ausbildung für den Sanitätsdienst und findet damit vorrangig in Ortsvereinen statt, da den Mitgliedern häufig die Zeit für eine längerandauernde Ausbildung fehlt oder es an finanziellen Mitteln fehlt.

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Fahrzeuge

Um den verschiedenen Notfallsituationen gerecht zu werden, gibt es unterschiedliche Fahrzeuge, die sich in ihrer Ausstattung und der Qualifikation der Besatzung deutlich voneinander unterscheiden:

  • Rettungswagen
  • Notarzteinsatzfahrzeug
  • Notarztwagen
  • Krankenwagen
  • Rettungshubschrauber
  • Intensivtransportwagen

Der Rettungs(transport)wagen (RTW) ist das in der Notfallrettung am häufigsten eingesetzte Rettungsmittel. Er ist mit einem Rettungsassistenten und einer weiteren nichtärztlichen, medizinisch qualifizierten Person besetzt (z.B. einem Rettungssanitäter). Die medizinische Ausstattung ermöglicht es einem Rettungswagen jeden bodengebundenen Rettungseinsatz zu meistern, was die Stabilisierung des Patienten vor Ort sowie den anschließenden Notfalltransport in die Klinik beinhaltet.
Rettungswagen werden vorwiegend geräumig ausgebaut, um nach Einladen des Patienten im Innenraum genügend Platz für das behandelnde Personal zu gewährleisten und um sämtliche benötigten Geräte zugänglich zu positionieren. Das medizintechnische Material ist komplett aus dem Fahrzeug entnehmbar, um auch in der Wohnung beim Patient bereits stabilisierende und diagnostische Maßnahmen durchführen zu können. Dazu gehört ein EKG-Monitor, ein Defibrillator (oft im EKG integriert), eine Beatmungseinheit, eine Absaugpumpe, Pulsoxymetrie zur Messung der Sauerstoffsättigung im Blut sowie Notfallkoffer oder -taschen, die neben Verbandmaterial auch diagnostische Geräte wie eine Blutdruckmanschette, Stethoskop, Blutzuckermessgerät und eine Pupillenleuchte beinhalten. Zudem kommen noch Notfallmedikamente und Infusionen, sowie Intubationsbesteck, Material zum Legen eines periphervenösen Zugangs und zur Blutentnahme und zusätzlichem Werkzeug wie Scheren und Zangen hinzu. In den Köffern befindet sich die komplette Ausstattung des Fahrzeugs in zweiter Ausführung, um auch außerhalb des Fahrzeugs am Patienten arbeiten zu können.
Diese umfangreiche Ausstattung befähigt einen Rettungswagen auch dazu, einen Intensivtransport durchzuführen. Man könnte ihn eine fahrende Intensivstation nennen.

Das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) ist ein kleineres Fahrzeug, das lediglich der Zubringung eines Notarztes zum Einsatzort dient. Es ist mit einem Notarzt und einem Rettungsassistenten besetzt und führt die komplette mobile Ausstattung eines Rettungswagens im Kofferraum des Fahrzeugs mit, um ebenfalls vor Ort arbeiten zu können (falls es vor dem Rettungswagen eintrifft) und nicht auf den RTW warten zu müssen.

Ein Notarztwagen (NAW) ist ein zusätzlich mit einem Notarzt besetzter Rettungswagen. Er unterscheidet sich ansonsten kaum von einem RTW. Der Nachteil eines Notarztwagens gegenüber einem Rettungswagen ist der, dass der Notarzt an den Notarztwagen gebunden ist und nicht - wie dann, wenn er von einem Notarzteinsatzfahrzeug zugebracht wurde - abrücken kann um zu einem anderen Notfall zu gelangen. Das System, bei dem Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeug parallel zum Notfall fahren nennt man Rendezvoussystem. Dabei ist der Notarzt flexibler einsetzbar und kann nach erfolgter Erstversorgung falls nötig zum nächsten Einsatz fahren.

Kranken(transport)wagen (KTW) werden vorwiegend für den Transport von stabilen Patienten eingesetzt. Sie sind häufig nicht geräumig genug ausgebaut, um darin arbeiten zu können und sind auch medizintechnisch deutlich schlechter ausgerüstet, verfügen meist nur über einen Notfallkoffer mit den notwendigsten Diagnosegerätschaften und Verbandsmaterial und sind damit meist nicht geeignet, um Notfälle optimal zu versorgen. Deshalb werden damit vorwiegend Behandlungs- und Verlegungsfahrten liegender oder gehunfähiger Patienten durchgeführt, die ein gewisses Risiko mitbringen, zum Notfallpatient zu werden. Deshalb ist auf solchen Transporten die Anwesenheit von nichtärztlichem, medizinisch qualifiziertem Personal notwendig. Meist werden auf KTW dafür Rettungssanitäter eingesetzt, mit einer weiteren Person, beispielsweise einem Rettungshelfer oder einem Sanitätshelfer.

Rettungs(transport)hubschrauber (RTH) dienen ähnlich dem NEF als Notarztzubringer, können jedoch aufgrund ihrer Zulademöglichkeit auch als Transportmittel eingesetzt werden und sind mit einem Notarzt, einem Rettungsassistenten und einem Piloten besetzt. Sie fliegen Notfälle entweder direkt an und transportieren den Patient auf dem Luftweg zur nächsten geeigneten Klinik oder verlegen von Krankenhaus zu Krankenhaus Patienten, deren Verlegung nicht aufschiebbar und notarztbegleitet sein muss. Rettungshubschrauber werden in der Regel von speziellen Hilfsorganisationen betrieben wie z.B. der DRF (Deutsche Rettungsflugwacht) oder dem ADAC.

Der Intensivtransportwagen (ITW) kommt immer dann zum Einsatz, wenn ein Patient über eine längere Strecke notarztbegleitet transportiert werden muss. Die Ausstattung entspricht mindestens der eines NAW, wobei die Beatmungseinheit dem Standard einer Intensiv-Beatmungseinheit entspricht. Mehr Platz und komfortablere Einrichtung sowie Erweiterungsmöglichkeiten machen den ITW zur ersten Wahl bei Interhospitaltransfers. Besetzt ist ein ITW mit einem Arzt der Erfahrungen im Bereich Intensivmedizin und Notfallmedizin hat, sowie einem Rettungsassistenten und einer weiteren nichtärztlichen, medizinisch qualifizierten Person - manchmal einem weiteren RA, ansonsten mit einem RS oder einem RH. Bei manchen Transporten begleitet noch eine Intensivpflegekraft den Transport.
In aller Regel fährt ein ITW keine Notfalleinsätze sondern verlegt lediglich Patienten von Klinik zu Klinik.

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Einsätze

Die unterschiedliche Ausstattung und die Vielfalt der Fahrzeuge lässt vermuten, dass es verschiedene Einsätze gibt. Man untergliedert in vier Formen von Einsätzen:

  • Primäreinsatz
  • Sekundäreinsatz
  • Terziäreinsatz
  • Krankentransport

Primäreinsätze sind nicht planbare, stets akute Einsätze, bei denen das Leben oder die Gesundheit des Patienten in Gefahr sind bzw. die Gefahr nicht auszuschließen ist. Primäreinsätze sind so dringlich, dass sie den Einsatz von Sondersignal rechtfertigen, um dem Rettungsmittel zu ermöglichen, schnellstmöglich zum Patienten zu gelangen und mit der Versorgung zu beginnen.
Zu Primäreinsätzen fahren in der Regel mindestens ein Rettungswagen, je nach Situation auch ein Notarzt und/oder ein RTH.

Sekundäreinsätze sind meist auch nicht planbar, nicht unbedingt akute aber dennoch dringliche Einsätze, bei denen ein Patient entweder von Krankenhaus zu Krankenhaus verlegt oder aber in absehbarer Zeit klinischer Behandlung zugeführt werden muss (dringliche Einweisung). Je nach Zustand des Patienten wird auch hier der Transport mit Sondersignal durchgeführt.
Auch hier kommen meist Rettungswagen zum Einsatz, die, abhängig vom Zustand des Patienten, mit einem (Not)arzt besetzt werden.

Von Terziäreinsätzen spricht man bei dringlichen Transporten von Blut, Medikamenten, Transplantaten oder Amputaten.
Da Terziäreinsätze keine medizinsche Ausstattung erfordern, können sie von allen Fahrzeugen mit Sondersignalanlage durchgeführt werden, je nach Entfernung werden auch Rettungshubschrauber eingesetzt.

Krankentransporte stellen die planbaren Einsätze dar, die niemals dringlich sind, da die Patienten stabil sind und keine Gefahr für Leib und Leben besteht. Sie werden vorwiegend von KTW durchgeführt.


Auf den folgenden Seiten biete ich weitere Informationen an, beispielsweise über das Verhalten im Notfall, Erste Hilfe, spezielle Notfälle und einige Feinheiten des Rettungssystems. Fragen beantworte ich jederzeit gerne und über Anregungen und Kritik freue ich mich ganz besonders!

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