Erste Hilfe

Viele scheuen sich davor, erste Hilfe zu leisten. Entweder ist der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon zu lange her oder man kann keinen kühlen Kopf bewahren. Wie auch immer die Ausreden und Entschuldigungen lauten mögen, unbestritten bleibt, dass die erste Hilfe die wichtigste Hilfe ist.
Oft wird von einer Rettungskette gesprochen. Diese sieht - ebenfalls dem laufenden Fortschritt begriffen - mittlerweile so aus:

Eigenschutz
—->
Sofortmaßnahmen
–>Notruf
—->Erste Hilfe
—–>HvO
——–>Rettungsdienst
—-
——–>Krankenhaus

Sofortmaßnahmen

Sofortmaßnahmen sind noch vor der eigentlichen Erste Hilfe kurze, jedoch effektive Eingriffe, die unter keinen Umständen aufzuschieben sind. Sie gehen sogar dem Notruf voraus! Ist für Eigenschutz gesorgt (bei häuslichen Unfällen z.B. aus dem Weg räumen von gefährlichen Gegenständen, Ausschalten von Sicherungen bei Stromunfällen…) beginnt man unmittelbar mit den Sofortmaßnahmen. Ich nenne im folgenden einige Beispiele, um zu verdeutlichen, wieso diese Maßnahmen dem Notruf vorraus gehen.

(1) Eine Person ist gestürzt und liegt bewusstlos mit dem Kopf im Wasser (Badewanne, Teich, Waschbecken etc.). Hier geht vor, die Person aus dieser Lage zu befreien.
(2) Eine Person ist bewusstlos und erbricht sich. Hier geht vor, dafür zu sorgen, dass der Patient das Erbrochene nicht einatmet und daran erstickt.
(3) Eine Person atmet nicht mehr. Es ist der “Lebensrettende Handgriff”
(s. Wikipedia: Lebensrettender_Handgriff) durchzuführen.
(4) Eine Person blutet sehr stark. Die Blutung ist sofort zu stillen.
(5) …

In jedem Beispiel wäre die Zeit, die das Absetzen des Notrufs erfordern würde, bereits kritisch zu lange. In den Beispielen 1 - 3 wären die Patienten bis zum zurückkehren eventuell bereits erstickt.
Im Beispiel 4 hätte die Person eventuell schon so viel Blut verloren, dass bereits Schocksymptome auftreten.
Um dennoch schnell den Notruf abzusetzen, ist es sinnvoll (sofern vorhanden) eine weitere Person zu beauftragen, dies zu übernehmen, während man selbst die Sofortmaßnahmen durchführt.

Zu den Sofortmaßnahmen gehört auch die Überprüfung der Vitalfunktionen. Sie sind von essentieller Bedeutung für die Einschätzung der Leitstelle für die Dringlichkeit des Notfalls und für das weitere Vorgehen. Zu überprüfen ist:

  • Atmung vorhanden?
  • Puls vorhanden?
  • Patient bei Bewusstsein?
  • Schwere Verletzungen zu erkennen?

Sind die Sofortmaßnahmen erfolgreich durchgeführt geht es nahtlos in die Erste Hilfe über.

Erste Hilfe-Maßnahmen

Die Erste Hilfe konzentriert sich auf die Sicherung der noch vorhandenen Vitalfunktionen oder die Überbrückung der Zeit bis zum Eintreffen weiterer Hilfe.

Es ist eine Fallunterscheidung nötig:

(1) Patient bewusstlos

a) Bei Vorhandensein von Atmung und Puls:

Stabile Seitenlage! Wer nicht weiß, wie diese geht: Bauchlage! Wichtig ist nur, dass der Kopf so liegt, dass eventuell Erbrochenes oder Blut abfließen kann und nicht verschluckt wird.
Bei erfolgreicher Seitenlage/Bauchlage: erneutes Überprüfen, ob Atmung noch vorhanden ist. Durch die Umlagerung könnten die Atemwege verlegt worden sein. Dann durch Kopf überstrecken dafür sorgen, dass Atmung wieder möglich ist.
Es ist weit verbreitet, dass man die Zunge des Patienten herausziehen müsste oder gar Gegenstände in den Mund stecken soll, um dies zu verhindern. Das ist falsch! Mit der richtigen Lagerung (stabile Seitenlage) oder zumindest dem Kopf überstrecken (s. lebensrettender Handgriff) wird das bewirkt, was man glaubt, mit dem herausziehen der Zunge zu bewirken.

b) Wenn keine Atmung und kein Puls vorhanden:

Herz-Lungen-Wiederbelebung! Das Drücken auf den Brustkorb und das Beatmen über Mund-zu-Nase-Beatmung ist die einzige Möglichkeit, einen Herz-Kreislauf-Stillstand sinnvoll zu überbrücken, bis ein Notarzt eintrifft und medikamentös weitere Schritte einleiten kann. Pro Minute, die diese Maßnahme ausbleibt, verringert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10%. Deshalb: sofort beginnen und fortführen, bis weitere Hilfe eintrifft, die dann dabei hilft.
Wie diese Maßnahme durchgeführt wird, kann hier nachgelesen werden. Es empfiehlt sich sehr, das zu üben, d.h. einen Auffrischungskurs in erster Hilfe durchzuführen!

Wer seinen Ekel nicht überwinden kann um eine Mund-zu-Mund- / Mund-zu-Nase-Beatmung durchzuführen, der sollte trotzdem die Herzdruckmassage durchführen, um den Blutkreislauf aufrechtzuerhalten und den restlichen Sauerstoff im Körper zu zirkulieren. Hilfsmittel wie Filterbeatmungsmasken sind an vielen Stellen erwerblich. Kleine Werkzeuge mit großer Wirkung!

(2) Patient bei Bewusstsein

Lagerung je nach Situation, dennoch in dieser Priorität:

  • Bei Schwindel, Bleiche, Kaltschweißigkeit: Schocklage (s. hier)
  • Bei Atemnot: Oberkörperhochlagerung, evtl. sitzend
  • Bei keinem der beiden o.gen. und Schmerzen: nach Befinden des Patienten

Nach der Lagerung erfolgen weitere Maßnahmen, wie das Versorgen von Wunden, der Wärmeerhalt und das Betreuen des Patienten. Wichtig ist, eventuelle Angst zu lindern, beruhigend einzuwirken und ständig beim Patienten zu bleiben. Während dem Warten auf weitere Hilfe ist es wichtig, immer wieder die Vitalfunktionen zu überprüfen und bei Veränderungen entsprechend zu reagieren (bei zunehmendem Schwindel z.B. auch nachträglich noch die Schocklage durchzuführen).
Der Wärmeerhalt ist nicht zu unterschätzen, da viele Notfallpatienten schnell auskühlen. Eine Decke unter den Patienten zu legen hilft bereits, die Auskühlung über den kalten Boden zu lindern.
Wer dazu in der Lage ist (also Zeit und Nerv hat), kann bereits weiterführende Maßnahmen einleiten, wie Blutdruckmessung und Ursachenfindung (also WARUM ist der Unfall passiert, kann sich der Patient noch erinnern?). Wer dazu keine Zeit findet, sollte sich damit nicht belasten. Diese Maßnahmen übersteigen die Erste Hilfe bereits.

Weitere Maßnahmen

In den Erste Hilfe-Kursen wird ein breites Spektrum an Notfallbildern behandelt. Von der Verbrennung, über die Verätzung bis hin zum Stromunfall wird der Besucher des Kurses mit Informationen gefüttert.
Ich möchte mich damit hier nicht tiefergehend befassen, sondern mich auf die akut lebensbedrohlichen und vor allem deutlich häufigeren Notfälle beschränken. Deshalb habe ich im folgenden eine Auswahl der meiner Beobachtung nach häufigsten Notfallbilder behandeln, über medizinische Hintergründe und Ursachen aufklären und die Maßnahmen erläutern, die ein Ersthelfer durchführen kann.

Das nächste Kapitel behandelt die HvO (Helfer vor Ort). Anschließend werde ich einige Notfallbilder erörtern.

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