Notfall! Was tun?

Statistisch belegt ist, dass die meisten Unfälle zu Hause oder im Betrieb passieren. Zu Hause ist man oft allein oder im kleinen Kreis vertrauter Personen. Häufig scheut man sich, um Hilfe zu rufen, man ruft noch den Bruder an, den Onkel, die Oma, den Nachbarn oder den Hausarzt… und fragt um Rat. Diese geben dann womöglich auch noch widersprüchliche Empfehlungen. Der Hausarzt hat unter Umständen auch nicht die Zeit, einen Hausbesuch zu machen, weil seine Praxis überfüllt ist.
Häufig entschließt man sich dann zu warten, ob die Beschwerden sich vielleicht über Nacht von alleine wieder legen. Selbst wenn nachts quälende Schmerzen einsetzen wird häufig noch gezögert, irgendwann vielleicht dann doch ins eigene Auto gesetzt und ins nächste Krankenhaus gefahren.

Wieso immer so gezögert wird, den Notruf zu wählen, wenn man sich doch offensichtlich nicht wohl fühlt oder einen Unfall hatte, ist mir bislang noch immer ein Rätsel. Vielleicht ist es die Angst vor der weit verbreiteten Meinung, dass man mit einer “Fehlmeldung” strafrechtliche Konsequenzen zu erwarten habe. Vielleicht ist es auch Scham, so hilfsbedürftig zu sein. Oder aber man will nicht, dass die Nachbarn munkeln, der Notarzt wäre nachts zu den Mustermanns gekommen.
Ich kann nur sagen: Die Rettungsdienstmitarbeiter auf der Leitstelle beißen nicht. Sie können qualifiziert Auskunft geben und eventuell die Telefonnummer von einem ärztlichen Notdienst bekanntgeben. Durch Ihre tägliche Arbeit im Rettungsdienst, sind die Mitarbeiter in der Lage abzuschätzen, wie dringlich ein Unfall ist und ob eine verzögerte Behandlung noch zu vertreten ist oder ob gleich ein Rettungsdienstfahrzeug erforderlich ist. Jedenfalls erspart man sich so oft einige Stunden an quälenden Schmerzen oder verhindert gar, dass man einige Stunden nach dem Unfall zum akuten Notfallpatient wird, weil man doch schwerer Verletzt wurde, als man zunächst dachte.

Deshalb meine Empfehlung:

  • Nicht zögern, wenn man einen Unfall hatte.
  • Den Notruf wählen: 19222 oder 112 (in vielen Landkreisen gibt es die 19222 nicht, dort muss die 112 gewählt werden. Im Zweifel die 112 wählen!)
  • Den Hergang sachlich schildern, die Leitstelle fragt Informationen nach, die sie benötigt
  • Empfehlung/Antwort der Rettungsleitstelle abwarten

Der Anruf auf der Rettungsleitstelle ist unverbindlich. Es entstehen dabei keine Verpflichtungen, dort will man dem Anrufer helfen. Wenn der Disponent der Meinung ist, dass dies keine Aufgabe für den Rettungsdienst ist, wird er den Anruf weiterleiten oder eine Telefonnummer eines ärztlichen Notdienstes ausgeben.


Bei eindeutigen Notfällen, z.B. einer Bewusstlosen Person, Schmerzen auf der Brust, die einen an einen Herzinfarkt denken lassen, Schlaganfällen oder Knochenbrüchen, zögern die Leute meistens nicht anzurufen, vergessen jedoch, dass sie selbst vor Ort sind und ebenfalls Hilfe leisten können: Erste Hilfe. Die wichtigste Hilfe!
Die Zeit zwischen Notfall und Eintreffen des Rettungsdienstes nennt man therapiefreies Intervall, der Zeitraum, der für die Überlebens- und Heilungschancen des Patienten am bedeutendsten ist. Selbst wenn ein Rettungswagen oder ein Notarzteinsatzfahrzeug in der Umgebung vorhanden ist, dauert es einige Minuten, bis diese beim Notfall eintreffen. Der Anruf bei der Leitstelle, die dortige Disposition, das Besetzen des Fahrzeuges durch die Besatzung im Bereitschaftsdienst sowie die Anfahrt dauern mindestens 1+1+1+1 Minute. Und diese 4 Minuten sind sehr optimistisch berechnet, denn wer wohnt schon direkt neben einer Rettungswache?
Die Realität sieht eben nicht so aus, denn die Anfahrtszeiten dauern in der Regel länger als eine Minute. Hinzu kommt natürlich noch das Finden des richtigen Gebäudes oder der Wohnung (in Hochhäusern z.B. sehr zeitaufwendig).
Wenn der Rettungsdienst 6-7 Minuten nach Eintreten des Notfalls vor Ort ist, dann kann man sagen, er war schnell. Häufig sind jedoch Anfahrtszeiten von 8-12 Minuten realistisch - bei schlechten Wetter- oder Straßenverhältnissen u.U. noch länger - dann kommt man schnell auf 15 Minuten. 15 Minuten, die der Patient nach dem Unfall ohne medizinisch fachliche Betreuung ausharren muss.
Bei einem Schlaganfall sind 15 Minuten gerade noch vertretbar, denn das Zeitfenster zur Behandlung im Krankenhaus, um bleibende Schäden zu verhindern, beträgt zwischen 1 und 2 Stunden. Dennoch verringert sich mit jeder Minute die Wahrscheinlichkeit für eine vollständige Genesung. Bei einem Kreislaufstillstand geht es jedoch um jede Minute. Ein ungefährer Richtwert sagt aus, dass pro Minute ohne Therapie die Überlebenschancen um 10% sinken. Nach 10 Minuten Kreislaufstillstand … …

Hier kommt der Ersthelfer ins Spiel. Die Aufgabe des Ersthelfers sind im Prinzip einfach:

  • Sicherung der überlebenswichtigen Funktionen
  • Überbrückung der kritischen Zeit bis zum Eintreffen weiterer Hilfe

Klingt soweit gut, die Frage ist nur wie?
Auch hierfür habe ich eine Zusammenstellung verfasst. s. Erste Hilfe

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