Herzinfarkt
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Ursachen
Der Herzinfarkt (Myokardinfarkt) ist eine weit verbreitete Krankheit und tritt meist bei ohnehin vorerkrankten, oft älteren Menschen auf, kann jedoch selten auch bei jungen Menschen auftreten.
Der Begriff Infarkt beschreibt das Absterben von Gewebe auf Grund von Unterdurchblutung (Ischämie) und daraus resultierendem Sauerstoffmangel (Hypoxie). In allen Teilen des Körpers können Infarkte auftreten, nur ist kaum ein Infarkt so bedrohlich wie ein Herzinfarkt, bei dem regelrecht Muskelgewebe abstirbt, da eine Herzkranzarterie (Ader am Herzen mit sauerstoffreichem Blut) durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) partiell oder total verlegt ist. Das Herz ist ein leistungsfähiger Muskel mit einem hohen Sauerstoffbedarf und reagiert daher besonders empfindlich auf eine Mangelerscheinung. Zudem ist das Herz natürlich lebenswichtig und eine Beeinträchtigung macht sich sehr schnell bemerkbar, etwa durch Blutdruckabfall (Hypotonie), Herzrasen (Tachycardie) oder Atemnot (Dyspnoe) bedingt durch die verminderte Sauerstoffverteilung im Körper.
Blutgerinnsel, die für Herzinfarkte und Schlaganfälle verantwortlich sind entstehen im kleinen Kreislauf (mehr lesen…) und werden dann mit einem Herzschlag in den großen Kreislauf befördert (mehr lesen…). Dabei ist es Zufall, wo der Thrombus hingeschwemmt wird. Aufgrund der Anatomie der Hauptschlagader (Aorta) ist es wahrscheinlich, dass er in die Halsschlagader (Carotis) und damit ins Gehirn oder in ein Herzkranzgefäß (Koronararterie) gelangt, aber auch arterielle Verschlüsse in anderen Bereichen des Körpers sind denkbar (etwa in Armen und Beinen bzw. anderen Organen).
Symptome
Der Herzinfarkt ist wie der Schlaganfall auch ein akutes Ereignis, d.h. plötzlich und unvorhersehbar eintretend und dabei noch gefährlicher als der Schlaganfall, von dem man in aller Regel nicht sterben kann wohingegen ein schwerer Herzinfarkt (d.h. eine vollständige Verlegung eines Koronargefäßes an einer ungünstigen Stelle) durchaus tödlich – evtl. sogar unmittelbar – enden kann.
Nicht alle Herzinfarkte weißen offensichtliche Symptome auf, d.h. einige Patienten bleiben dabei weitgehend beschwerdefrei. Merkliche Symptome sind jedoch sofern sie auftreten ein drückender, meist starker Schmerz im Bereich des Brustbeins, der jedoch auch ausstrahlen kann in den Bauch, den Rücken, den Nacken und den (linken) Arm. Aufgrund des Sauerstoffmangels tritt oft Herzrasen auf, wobei das Herz versucht durch mehr Leistung mehr Blut durch die Lungen zu befördern. Das Herz „weiß“ ja nicht, dass die Ursache für den Sauerstoffmangel nicht bei der Lunge, sondern am Herzen selbst liegt. Zudem können Schweißausbrüche (in Folge eines Blutdruckabfalls), jedoch auch Schwindel und Übelkeit auftreten (sowohl von Blutdruckabfall als auch von Blutdruckanstieg – je nach Ausprägung des Infarktes (ähnliche Reaktion des Herzens auf den Sauerstoffmangel). Oft treibt die Patienten auch rasende Angst, regelrechte Todesangst, die durch das Bewusstsein „dass etwas nicht stimmt“ auftritt.
Die Symptome können auch in abgeschwächter Form auftreten und müssen nicht alle vorkommen. Schon ein leichtes Druckgefühl auf der Brust kann einen Herzinfarkt bedeuten. Gefährdete Patienten haben meist von ihrem Hausarzt ein Nitratspray verordnet bekommen, mit dem sie sich etwa nach Anstrengungen selbst behandeln. Treten die Beschwerden nur nach körperlichen Anstrengungen auf und gehen nach kurzer Zeit (10-15 Minuten) wieder ohne Behandlung bzw. nach Behandlung mit Nitratspray zurück, spricht man von AP-Beschwerden (Angina Pectoris), einer Krankheit, die durch verengte Herzkranzsarterien hervorgerufen wird und nach Belastungsphasen zu einer kurzfristigen Minderdurchblutung führen, die jedoch nicht kritisch ist. Bleiben die Beschwerden über die 15 Minuten hinaus erhalten, insbesondere nach Selbstbehandlung mit dem verordneten Spray sollte man an einen Herzinfarkt denken und nicht zögern:
Notruf absetzen (112) und die Symptome schildern. Es kommt dann sofort ein Rettungswagen und ein Notarzt.
Behandlung
Erste Hilfe:
Die Erste Hilfe zielt darauf ab, den Patienten bis zum Eintreffen weiterer Hilfskräfte zu stabilisieren, d.h. dafür zu sorgen dass sich der Zustand möglichst nicht verschlechtert. Beim Herzinfarkt ist wichtig, den Patienten gegen aufregende Umwelteinflüsse und Stress abzuschirmen, z.B. also aus einer lärmigen, aufgewühlten Umgebung in einen ruhigen Raum zu verbringen und ihn möglichst zu beruhigen. Aufregung bringt nichts, zu organisieren ist nichts, das kann alles später erfolgen, wenn der Rettungsdienst vor Ort ist und den Patienten versorgt hat. (z.B. Tasche packen, nicht anwesende Angehörige telefonisch informieren, etc. pp.)
Besonders wichtig ist beim Herzinfarkt die korrekte Lagerung des Patienten, die abweichend von vielen anderen Notfällen und von einigen Aussagen aus Erste Hilfe Kursen ist und einer besonderen Beachtung bedarf. Oft ist es hilfreich den Patienten bei Übelkeit oder Schwindel (u.a. Symptome des Herzinfarktes) hinzulegen oder bei niedrigem Blutdruck die Beine hochzulagern (Schocklage). Dies trifft beim Herzinfarkt nicht zu! Beim Herzinfarkt ist das Herz von vornherein schwer vorbelastet und das oberste Ziel ist es, dem entgegenzuwirken: Stichwort „Herzvorlastsenkung“. Dies erreicht man, indem man die Beine tief und den Oberkörper hoch lagert (etwa sitzende Position). Liegt der Patient im Bett so kann man ihm an die Bettkante helfen oder falls das nicht möglich ist hilft bereits das hochlagern des Oberkörpers. Dadurch erreicht man, dass die Mehrheit der Blutmenge in die Beine versackt und weniger Blutvolumen vom Herz bewältigt werden muss, die „Vorlast“ gesenkt wird. Damit wird das Herz entlastet wodurch es weniger Sauerstoff verbraucht und somit die Gefahr von Gewebsuntergang verringert wird. Bringt man einen Herzinfarktpatienten in die Schocklage, kann es kurz- bzw. mittelfristig zu einem kompletten Kreislaufversagen kommen.
Häufig begeben sich Patienten schon automatisch in diese sitzende, vornübergebeugte Haltung, weil die evtl. einhergehende Atemnot dadurch deutlich gelindert wird.
Hilfreich ist es auch, bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes eine Übersicht über die verordneten Medikamente herbeizuschaffen (am Besten beauftragt man dazu eine dritte Person), denn diese hilft dem Notarzt bei der Entscheidung der Medikation.
Rettungsdienst:
Sind Rettungswagen und Notarzt eingetroffen wird in der Regel sofort mit der medikamentösen Therapie begonnen. Anders als beim Schlaganfall muss nicht abgewartet werden, ob nicht eine Blutung vorliegt und es kann gleich medikamentös interveniert werden. Ziel ist jedoch nicht wie beim Schlaganfall das Blutgerinnsel mit einer so genannten Lyse-Therapie quasi aufzulösen, sondern nach neuestem Stand medizinischer Technik den Patienten zügig in ein Herzkatheterlabor zu verbringen, wo eine PTCA durchgeführt wird (mehr lesen…).
Auch hier ist das Zeitfenster entscheidend. Die Zeitspanne zwischen Symptombeginn und Behandlung im Herzkatheterlabor entscheidet über das „Outcome“, also den zu erwartenden Heilungserfolg. Dabei sind bereits 30 Minuten, die man früher im Krankenhaus ankommt von immenser Bedeutung. (s. dazu Studie soundso)
Deshalb gilt auch für den Herzinfarkt: nicht zögern! Notruf (112) wählen! Symptomatik schildern!
In schweren Fällen eines Koronararterienverschlusses, beispielsweise einer totalen Verlegung, und damit Verbunden anstatt einer Unterversorgung keine Versorgung des Herzmuskels mehr mit Blut, kann unmittelbar ein Kreislaufstillstand auftreten. In diesem Fall muss eine sofortige Herzdruckmassage bzw. komplette Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt werden (s. Reanimation). Der Rettungsleitstelle meldet man dann „Reanimation“ bzw. „Wiederbelebung“, damit weiß der Leitstellendisponent etwas anzufangen. Jede Minute, die man in diesem Fall ohne Hilfe verstreichen lässt mindert die Überlebenschancen um 10% !
Nach 3 Minuten Kreislaufstillstand ohne Reanimation sind bereits schwere Folgeschäden zu erwarten, da das Gehirn gänzlich ohne Sauerstoff nicht länger überleben kann.